Gefahren im Straßenverkehr

Cannabis auf Rezept: Die unterschätzte Droge im Straßenverkehr

Innerhalb von fünf Jahren hat die Verkehrswacht in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Klinikum nun zum dritten Male zu der Veranstaltung „Gefahren im Straßenverkehr - Trinktest -“ eingeladen. Ins Konferenzzentrum des Städtischen Klinikums kommen auch Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden.
Horst Bittner, Verkehrswacht Wolfenbüttel, der federführend für diese Veranstaltung ist,  hat sich ein interessantes Thema herausgepickt: Cannabis auf Rezept. Dafür hat er zwei „hochkarätige“ Referenten gewinnen können.

Wolfgang Gürtler, Vorsitzender der Verkehrswacht, freut sich über 90 Teilnehmer. Zunächst spricht er Axel Burghardt seinen Dank aus, dass die Verkehrswacht erneut ihre Veranstaltung in den Räumen des Städtischen Klinikums durchführen kann. Anschließend weist er auf die vielen, schrecklichen und tragischen Verkehrsunfälle infolge Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch hin. Dazu präsentiert er drei Zeitungsartikel als warnende und mahnende Hinweise.

Axel Burghardt, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Wolfenbüttel, erklärt in seiner Begrüßungsrede, dass das Städtische Klinikum dafür da ist, um Menschen in Notlagen zu helfen. Deshalb unterstützt er auch gerne bei den präventiven Maßnahmen.

„Sinn und Zweck des Ganzen ist es, zu sensibilisieren. Fahrten im Straßenverkehr unter Drogeneinfluss, so auch Cannabis, werden noch viel zu viel unternommen. Das zeigt auch die Statistik der Polizei“, sagt Horst Bittner.

Dr. Tobias Jüttner, Chefarzt für Anästhesiologie im Städt. Klinikum Wolfenbüttel, spricht aus Sicht des Arztes (Verordners) in seinem Vortrag über den medizinischen Einsatz von Cannabis. Es gibt drei Formen der Einnahme: aus kleinen Fläschchen, als Kapsel und als Tropfen. Zugelassen sind zudem ein Mundspray und das Rauchen von Cannabis. Sein Fazit: “Cannabis ist nicht die Wunderwaffe wie sie erscheint. Der Stoff ist aber ein Medikament, das funktioniert, und das schon mehr als 100 Jahren.“ Es ist ein sehr gutes Medikament und hilft vielen Menschen. Jeder Arzt darf ein Rezept ausstellen. Eingesetzt wird es unter anderem bei chronischen Schmerzen, Epilepsie, Krebs-Therapien, Multiple Sklerose, Angststörungen, Depressionen und vielem mehr.

Wie die Lage aus verkehrsrechtlicher Sicht ist, erläutert Dr. Torsten Baumgarten, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Braunschweig, in seinem anschließenden Vortrag. „Es gibt Ordnungswidrigkeiten, Straftaten und verwaltungsrechtliche Präventivmaßnahmen“, führt der Jurist aus. Zwar gibt es die legitime Therapiemöglichkeit durch Cannabis, doch ist der Mensch nicht in der Lage, nach dem Konsum gefahrlos am Straßenverkehr teilzunehmen. „Bislang ist es eine rechtliche Grauzone. Feste gesetzliche Regelungen gibt es nicht“, erzählt Dr. Torsten Baumgarten. Die Verkehrsteilnehmer müssen beim Erwischen mit Konsequenzen rechnen. Weiter ging er auf die Anordnung von Gutachten, Medizinische-Psychologische Untersuchung (MPU) und den Entzug der Fahrerlaubnis ein.

Nach den Vorträgen haben die Gäste die einmalige Gelegenheit, sich selbst zu testen. Dafür hat die Verkehrswacht mehrere Stationen aufgebaut, bestehend aus Reaktionstest, Fahrsimulator, Rauschbrillenparcours und Alcomaten. Zuvor wird gemeinsam gegessen, um eine ordentliche Grundlage zu schaffen. Schnell wird dabei deutlich, wie sich der Konsum von Alkohol auswirken kann. Für alle Teilnehmer ist es eine interessante Erfahrung und oftmals überraschend.

„Wer denkt, seine Promillegrenze voraussagen zu können, der irrt“, so Wolfgang Gürtler.  „Ein Fahrdienst steht heute für alle bereit. Wir sorgen für ihre Sicherheit“, betont Horst Bittner.

Während der interessanten Gespräche an den Tischen, weist Horst Bittner einmal auf die Dimensionen des Umgangs mit Medizinalcannabis hin. Nach der Legalisierung im Jahre 2017 haben ca. 13000 Patienten ihren Antrag auf Genehmigung gestellt und bekommen. Dafür wurden ca. 1200 Kilogramm Medizinalcannabis importiert. Die derzeitige Liefermenge aus den Niederlanden liegt bei 700 Kilogramm jährlich. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Niederlande gebeten, künftig bis 1,5 Tonnen pro Jahr nach Deutschland zu liefern. Die Bitte um höhere Exportmengen war nötig, weil die Blüten zu therapeutischen Zwecken in Deutschland stärker nachgefragt werden als erwartet.

Zu den Sponsoren des Informationsabends der Verkehrswacht zählen das Städt. Klinikum Wolfenbüttel, Hofbrauhaus Wolters, Autohaus Piske, Autohaus Wolfenbüttel und Wolfgang Gürtler.

„Ohne diese Unterstützung ist solch eine Veranstaltung nicht durchführbar“, sagt Horst Bittner und spricht seinen Dank gegenüber den Sponsoren aus.

13.11.2018
Ansprechpartner: Horst Bittner

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