23. Verkehrspolitisches Forum

Biker waren das zentrale Thema

Bereits zum 23. Mal lud die Verkehrswacht Wolfenbüttel zum Verkehrspolitischen Forum ein. Über 100 Gäste, darunter Vertreter aus Politik, Stadt und Landkreis, Wirtschaft, Schule, Polizei, Feuerwehr und Biker-Clubs konnte der 1. Vorsitzende Hans Bode begrüßen und brachte seine Freude über das rege Interesse zum Ausdruck. Thema war in diesem Jahr: Biker – spezielle Risiken und Auswirkungen mit besonderen Maßnahmen begegnen?

Horst Bittner, der diese Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Bernd Gutsche plante und organisierte, hatte ganze Arbeit geleistet. Denn diese Veranstaltung hatte es in sich. Der Veranstaltungsraum war voll besetzt und im Thema steckte Zündstoff. Dazu bezogen hochkaratige Referenten Stellung, zum einen Dr. Torsten Baumgarten, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Braunschweig. Zum anderen Dr. Thomas Hockertz, Chefarzt der Unfallchirurgie im Städtischen Klinikum Wolfenbüttel. Durch die Veranstaltung führte Carmen Scholze, stellvertretende Vorsitzender der Verkehrswacht, als Moderatorin.

„Wir haben uns dieses Thema ausgesucht, weil wir die Verkehrsunfalllage kennen und wir wollen Partner für alle Verkehrsteilnehmer sein. Und so haben wir uns dazu entschieden, die Verkehrsteilnehmer anzusprechen, die einen sehr hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt sind. Und das sind nun mal die Motorradfahrer. Außerdem hat es gut gepasst, dass im Dezember das Urteil zu  dem Streckenverbot gefallen ist“, erklärte Carmen Scholze zu Beginn der Veranstaltung.

Dr. Torsten Baumgarten hielt einen Vortrag zur Rechtmäßigkeit einer Streckensperrung auf einer Unfallhäufigkeitsstrecke für Kraftradfahrende im Bereich der K 83 im Landkreis Wolfenbüttel, über die das Verwaltungsgericht Braunschweig im Dezember zu entscheiden hatte (Az: Urteil VG Braunschweig vom 04.12.2019 – 6 A 532/18). Der Landkreis Wolfenbüttel hatte die Streckensperrung angeordnet, nachdem sich die Unfallzahlen unter Beteiligung von Motorradfahrenden auf einem besonderen Streckenabschnitt der K 83 in den letzten Jahren dramatisch erhöhten.

„Das vom Landkreis Wolfenbüttel auf der K 83 bei Werlaburgdorf angeordnete Verbot für Krafträder ist derzeit nicht mit dem Gesetz vereinbar. (…) Ein Motorrad-Verbot auf der K 83 sei damit nicht für alle Zeiten ausgeschlossen. Es könne rechtmäßig werden, wenn sich herausstellen sollte, dass alle anderen jetzt zunächst erforderlichen Maßnahmen wirkungslos sind. Dass der Landkreis Maßnahmen zur Minimierung der Unfallzahlen ergriffen habe, sei richtig. Das angeordnete Verbot für Krafträder gehe nach derzeitigem Stand aber zu weit und sei daher nicht mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit vereinbar“, urteilten die Richter der 6. Kammer.

Anschließend stellte Dr. Thomas Hockertz in seinem Vortrag die Häufigkeit von Motorradunfällen, die auftretenden Verletzungsmuster auch anhand klinischer Fallbeispiele dar. Das Publikum konnte virtuell einen sogenannten Schockraum besuchen und erhielten bildliche Erläuterungen zu Verletzungsmustern und die erfolgreiche Möglichkeit der Heilung auch schwerer Verletzungen. Insbesondere nicht angepasste Geschwindigkeit, aber auch das Überholen an übersichtlichen Stellen sind die häufigsten Unfallursachen mit Hauptverursachung bei den Bikern. Aber auch in der Häufigkeit der Verkehrsunfälle setzen die anderen Verkehrsteilnehmer die Ursache für einen Verkehrsunfall. Motorradfahrende werden häufig auch übersehen, deshalb ist die Ausstattung mit reflektierender Kleidung – insbesondere, um die eigene Sicherheit zu erhöhen, neben der Ausstattung mit Körperprotektoren enorm wichtig.

In der anschließenden Gesprächs- und Diskussionsrunde kam wieder das Fahrverbot zur Sprache. Andreas Memmert, Gemeindebürgermeister Schladen-Werla sagte dazu: „Wir sollten gemeinsam einen Ortstermin machen und schauen, wie wir die Strecken entschärfen und den Parkplatz für Zuschauer unattraktiv machen können. Und wenn das nicht hilft, muss man entscheiden, ob man da temporär einschreitet und zu attraktiveren einschränkt.“ Diesen Vorschlag nahm einer der Kläger, der sich ebenfalls unter den Gästen befand, gerne an.

Im Anschluss an die Gesprächsrunde traf man sich im Foyer zum Imbiss und weiteren zahlreichen interessanten Gesprächen.

Horst Bittner dankte nach Abschluss der Veranstaltung allen Beteiligten hinsichtlich des Erfolges dieser Veranstaltung, insbesondere der Crew, die die Hauptarbeit im Foyer verrichteten. „Viele Besucher haben auf die Einladung keine Rückmeldung gegeben und einige sind erschienen, obwohl sie gar nicht eingeladen wurden. Mit solch einer Einstellung macht man jedem Organisatoren das Leben nur unnötig schwer“, äußerte sich Horst Bittner. Das Interesse war ja auch im Vorfeld riesengroß. Dennoch war er froh, dass alles so gut verlaufen war.

„Es zeigt uns, dass wir mit dem Thema den richtigen Nerv einer Vielzahl von Interessenten getroffen haben“, resümierte Carmen Scholze noch einmal.

10.02.2020
Ansprechpartner: Horst Bittner

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